Taschenmesser und Küchenmesser von Heinr. Böker Baumwerk GmbHBöker bietet Messer aus eigener Manufaktur in Solingen - Taschenmesser, Küchenmesser, Kochmesser, sowie Messer und Schwerter für Sammler in bester Qualität. Treetimes Bericht Messermagazin
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Im Zeichen des Baums (aus: Messermagazin 04/2002)

Eine Kastanie ist das Markenzeichen des Solinger Herstellers Heinr. Böker. Wie aus der Firma ein "Baumwerk" wurde und wie sie mehr als 130 Jahre erfolgreich überlebt hat, lesen Sie hier.

Den großen Baum gab es wirklich. Die gewaltige Kastanie stand schon im 17. Jahrhundert vor der kleinen Handwerkzeugfabrik der Familie Böker in Remscheid. Die Fabrik wuchs rasch und war 100 Jahre später eines der führenden Unternehmen in Deutschland. Die Linie von diesen Ursprüngen des Namens Böker kann man bis heute verfolgen: Noch immer gibt es in Remscheid eine Werkzeugfirma namens Böker.

Die "Abzweigung" zu den Schneidwaren erfolgte früh: 1929 entschlossen sich Hermann und Robert Böker, die Produktion von Säbeln aufzunehmen. In einer von vielen Konflikten geprägten Ära war das ein interessanter Wirtschaftszweig, und so blieb der Erfolg nicht aus. Schon ein Jahr später wiesen die Kontobücher eine wöchentliche Produktion von 2000 Stück (!) aus. Sie wurden von 64 Schmieden, 47 Schleifern und einer nicht näher bezeichneten Zahl von angelernten Arbeitern gefertigt.

Doch die Mitglieder der Böker-Familie zog es in die weite Welt hinaus: Hermann Böker wanderte nach New York aus und gründete dort die Firma H. Boker & Co., der junge Robert ging nach Kanada, baute dort ein Unternehmen auf und rief schließlich 1865 eine Filiale in Mexiko ins Leben. Diese Firma ist heute noch unter dem Namen "Casa Boker" Marktführer.

Nur Heinrich Böker wollte sich nicht allzu weit von Remscheid entfernen. Er ging nur über die Wupper in den Nachbarort Solingen, wo damals die deutsche Schneidwarenindustrie rasant wuchs. Gemeinsam mit dem bekannten Schneidwarenfachmann Hermann Heuser gründete er 1869 die Firma Heinr. Böker & Co. Die ersten Kunden kamen aus der Familie: Es waren die Bökers in Remscheid und die Böker-Niederlassungen jenseits des Atlantiks. Für Aufträge war also gesorgt.

Was Heinrich Böker dringend noch brauchte, war ein einprägsames Markenzeichen. Schließlich hatten die Kunden in Übersee einige Probleme mit der Aussprache des deutschen Namens Böker, zum anderen war das Analphabetentum noch weit verbreitet - nicht nur in Südamerika. Heinrich entschied sich für die Kastanie - ein Symbol des Baums, das überall auf der Welt verstanden wird. Leider gehörte dieses Markenzeichen der Remscheider Firma Böker, zusammen mit einem zweiten Logo, einem Pfeil. Doch die Familienbande machten es möglich: Böker Remscheid behielt den Pfeil, und Heinrich durfte die Kastanie mit nach Solingen nehmen. Das Wahrzeichen der Bökers wurde jedoch 1925 Opfer eines Blitzschlags. Der Baum konnte nicht mehr gerettet werden. Allerdings ist ein Stück von ihm übrig geblieben: Ein Künstler schnitzte aus einem Stück des Originalstamms das Logo der Firma Heinr. Böker Baumwerk. Das Kunstwerk existiert noch: Es hängt im Büro des heutigen Inhabers.

Von Anfang an waren die USA der wichtigste Markt für Heinrich Böker. Mehr noch als Scheren, Rasiermesser und Bestecke (all das wurde vom "Baumwerk" produziert) waren die Taschenmesser aus Solingen gefragt. Die Nachfrage wuchs schneller als die Liefermöglichkeiten, so dass der US-Zweig der Böker-Familie in New York selbst begann, Taschenmesser zu produzieren. Weil ja ohnehin alles in der Familie blieb, durften auch die US-Böker-Messer das mittlerweile bekannte Baumzeichen tragen. Fortan gab es zwei unterschiedliche Böker-Produktreihen auf dem amerikanischen Markt Made in USA und Made in Solingen, beide mit dem gleichen Markenzeichen, oft sogar mit identischen Artikelnummern. Nur die unterschiedlichen Gangzeichen auf der Klinge sorgten für Klarheit. Dort stand entweder "Boker USA" oder "H. Boker Improved Cutlery Solingen".

In der Endphase des zweiten Weltkriegs wurde das Werk in Solingen vollständig zerstört. Keine Maschine, kein Werkzeug, kein Katalog oder Muster überlebten den verheerenden Brand. Die wenigen Originale aus der Zeit zuvor, die heute noch existieren, überdauerten den Krieg in Privathäusern. Nicht einmal das Markenzeichen wurde verschont: Die Eintragung des Markenzeichens für den US-Markt wurde nach dem amerikanischen Gesetz als Feindeseigentum beschlagnahmt. Zum Glück konnte es von John Boker jr., einem Nachkommen des amerikanischen Familienzweigs, in New York wieder erworben werden. Damit diente es weiterhin dem Vertrieb der amerikanischen und deutschen Böker-Produkte in den USA.

Gleichzeitig wurde in Solingen aus den verbliebenden Trümmern ein Gebäude und die Produktion wieder aufgebaut. Wer von den ehemaligen Mitarbeitern den krieg überlebt hatte, kam zurück und half mit. Wieder kamen die ersten Aufträge von den Vettern aus den USA.

Die Böker-Fans in Amerika warteten auf die Solinger Taschenmesser.

So wurde die Produktion von Haushaltsmessern und Bestecken immer weiter zu Gunsten der Taschenmesser zurückgedrängt. Die Fertigung von Rasiermessern hatte man nach dem Krieg erst gar nicht wieder aufgenommen. Doch die goldene Ära der "Klingenstadt" war vorbei, und die totale Abhängigkeit vom Exportgeschäft bekam Böker schmerzhaft zu spüren.

Anfang der 60er Jahre wurde Boker USA verkauft und nach mehrfachem Wechsel von dem Scherenhersteller Wiss & Sons übernommen. Wiss hielt zwar die Produktion der US-Boker-Messer aufrecht und verkaufte sie gemeinsam mit Solinger Produkten, doch die Böker-Scheren, bis dahin Konkurrenzprodukte für Wiss, verschwanden vom US-Markt. Die Verbindung mit Wiss war für Böker nicht sehr glücklich und auch nicht sehr erfolgreich. Die Verkaufszahlen in USA sanken beständig. Ein denkwürdiger Brief der Wiss-Geschäftsleitung aus dem Jahr 1976 (der heute sorgsam im Böker-Archiv verwahrt wird) legte es der Firma Böker nahe, das Geschäft aufzugeben und die Maschinen und Werkzeuge an Wiss zu verkaufen. Was heute eher belustigend wirkt, sorgte damals für bittere Tränen.

Doch dann nahm das Schicksal einen anderen Verlauf. An dieser Stelle kam der heutige Inhaber der Firma Heinr. Böker Baumwerk, Ernst-Wilhelm Felix-Dalichow, ins Spiel. Der hatte nach dem Studium eineinhalb Jahre lang in Australien Messer und Haushaltsartikel verkauft und anschließend die kleine Solinger Taschenmesserfabrik Aug. Müller Söhne übernommen. Felix-Dalichow hatte viel Spaß an Taschenmesser und erhielt auf wundersame Weise einen großen Auftrag: "Wir bekamen eines Tages aus Belgien eine seltsame Anfrage. Wir sollten ein Angebot für einen bestimmten Taschenmessertyp abgeben. Ich hatte so etwas noch nicht gesehen."

Doch für die Taschenmesser-Spezialisten sah die Fertigung unproblematisch aus, und ihr Angebot stimmte. Schließlich bekam die kleine Firma Aug. Müller Söhne den Auftrag, das erste Taschenmesser für die US-Firma Browning zu produzieren. Der amerikanische Gigant hatte über seine belgische Niederlassung anfragen lassen.

Es handelte sich allerdings um einen Auftrag über viele tausend Messer, der für die zwölf Mitarbeiter eine Nummer zu groß war. In dieser Situation fanden sich die beiden Firmen Aug. Müller Söhne und Heinr. Böker Baumwerk zusammen und bildeten das, was man heute eine Fusion nennt: Böker hatte das Knowhow und die Fertigungskapazitäten, Aug. Müller brachte den schönen Auftrag mit. Der damalige Böker-Inhaber Ulrich Mennenöh und Ernst-Wilhelm Felix-Dalichow wurden Partner. Ironie des Schicksals: Nicht Böker fand ein Ende, sondern die Firma Wiss. Sie wurde vom US-Konzern Cooper Industries aufgekauft, was für Böker ein Glücksfall war.

Cooper arbeitete weiter mit Böker zusammen und baute den Solinger Namen wieder zu seiner ursprünglichen Größe auf. Gleichzeitig wurde in Solingen die Fertigung modernisiert und das Produktsortiment ausgebaut. Nqaben den üblichen schwarzen Kunststoffgriffen, die Böker fast ausschließlich verwendete, kamen schöne Griffschalen aus Knochen und edlen Hölzern ins Programm.

Die Vielfalt wuchs, und Böker versuchte nun auch, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. 1979 entstand aus einem Kontakt zum Damastschmied Manfred Sachse eine erste Serie von 300 Taschenmesser mit Damastklinge. Die ungewöhnliche Serie war in kürzester Zeit ausverkauft und belebte den Sammlermarkt in ungeahnter Weise. Wichtig für den Erfolg der Marke Böker wurden auch die Designs von Ulrich Look, der viel für Böker entwarf.

Ernst-Wilhelm Felix-Dalichow, der treibende Motor der Entwicklung, übernahm 1980 die Mehrheit der Firma, 1990 die restlichen Anteile. Er setzte auf Innovationen und neue Materialien und konzentrierte sich auf Taschenmesser: "Ich sah darin unsere Chance, denn ein Taschenmesser ist viel schwieriger zu produzieren als zum Beispiel ein Küchenmesser. Das war den ganz großen Firmen in Solingen einfach zu kompliziert."

Dann lernte er Dietmar Pohl kennen, einen jungen Messerfan, der viele interessante Ideen hatte. Felix-Dalichow bot Dietmar Pohl an, aus seinem damaligen Hobby einen Beruf zu machen. Das Ergebnis war unter anderem das Modell Speedlock, ein Springmesser mit revolutionärem Design, das 1996 vorgestellt wurde. Felix-Dalichow hatte die Idee, einen neuartigen Springmechanismus mit Spiralfeder, der bereits bei Benchmade eingesetzt wurde, in eine maschinelle Gussform einzubauen. Dietmar Pohl formte um den Mechanismus herum ein futuristisch anmutendes, aber praxistaugliches Griffgehäuse. Das Speedlock war von den typischen Solinger Springmessern mit Blattfeder und Auslösehebel Lichtjahre entfernt und wurde für Böker zu einem durchschlagenden Erfolg.

Weitere Meilensteine waren die Kooperation mit den amerikanischen Messermachern Bud Nealy, Michael Walker und Walter Brend. Während andere Solinger Unternehmer von der Custom-Knife-Szene nichts wissen wollten, suchte Böker den Kontakt und profitierte davon. "Für uns war der hohe Anspruch an die Fertigungsqualität eine Herausforderung", berichtet Felix-Dalichow.

Inzwischen hat das Beispiel Schule gemacht: Zahlreiche Hersteller arbeiten mit Messermachern zusammen.

Seit 1998 produziert Böker mit über 100 Mitarbeitern in einem hochmodernen, neuen Betrieb am alten Standort mitten in Solingen. Die neue Fabrik bietet 4500 Quadratmeder Fläche und ist nach modernsten ökologischen Gesichtspunkten ausgelegt. Das Regenwasser, das sich auf dem großen Flachdach sammelt, wird in einer Zisterne gespeichert und als Brauchwasser verwendet, alle Schleifrückstände, die in der Fertigung entstehen, werden zentral ausgefiltert und getrocknet und anschließend fachgerecht entsorgt. Die gewaltige Lüftungsanlage für den gesamten Komplex sorgt computergesteuert für reine Luft und zugfreies Klima.

Die freundschaftliche Verbindung zum Cooper-Konzern führte dazu, dass Böker schon 1986 das amerikanische Warenzeichenrecht zurück kaufen konnte "zu einem Freundschaftspreis", wie E.-W. Felix-Dalichow erzählt. Cooper hatte 1983 die eigene Messerproduktion aufgegeben. Das machte den Weg frei für eine eigene Böker-Niederlassung. Noch im Juli 1986 entstand Boker USA Inc. in Denver, Colorado. Bis heute ist dort Chuck Hoffmann, der Mann der ersten Stunde, als Geschäftsführer tätig.

Schon drei Jahre zuvor wurde ein Produktionsstandort in Argentinien gegründet. Damit schloss die Firma Böker in der Neuzeit an die Pionierleistungen der Familie Böker im 19. Und frühen 20. Jahrhundert an, die die beiden Markenzeichen "Treebrand" und "Arbolito" in Nord- und Südamerika bekannt gemacht hatten. So gründete man 1983 zusammen mit Ricardo Salzmann, Inhaber einer Jagdausstatter-Firma, die Böker Arbolito S.A. Dort werden heute überwiegend Haushalts- und Berufsmesser für den mittel- und südamerikanischen Markt hergestellt, seit der Wirtschaftskriese in Argentinien vermehrt auch Messer für Europa und Nordamerika.

Dieses Engagement in Argentinien zahlt sich jetzt in unerwarteter Weise aus: Nachdem das Angebot von indischem Hirschhorn auf dem Weltmarkt fast auf Null eingebrochen ist und Messerhersteller wie Messermacher verzweifelt nach brauchbarem Material suchen, ist Böker in einer komfortablen Position: In Südamerika gibt es noch genügend Hirschhorn...

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Hans Joachim Wieland, Messermagazin)