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Interview mit Tommaso Rumici

Veni, vidi, Rumici - ich kam, sah und designte. Die Idee fühlen, den Stift fließen lassen, die Vision leben. Jeder seiner Entwürfe trägt eine einzigartige Handschrift, geprägt von Wandlungsfähigkeit, Akribie und anmutiger Vollendung. Tommaso Rumici (* 1983, Italien) zählt zu den gefragtesten Messerdesignern weltweit und hat bereits für die bekanntesten Messermarken Auftragsarbeiten durchgeführt. Sein jüngstes Werk: das kraftstrotzende Böker 1969 Mach-1 Damast. Wenngleich Funktion und Ergonomie an erster Stelle stehen, strahlen seine gemäldegleichen Werke eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Was ein Film von Clint Eastwood damit zu tun hat und welchen Traum er sich noch erfüllen möchte, verrät Tommaso Rumici im Folgenden. 
 
Wie bist du mit dem Thema Messer in Berührung gekommen?
 
Schon als Kind hatte ich immer ein Messer dabei- ganz egal ob beim Wandern, in der Natur oder fürs Schnitzen. An mein erstes Messer kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ein klassisches Schweizer Armeemesser von Wenger mit Holzgriff und Slipjoint. In meiner Stadt gab es ein kleines Schneidwarengeschäft namens Coltelleria Scintilla. Dort bin ich regelmäßig hingegangen und habe angefangen, Messer zu sammeln. Zu den Ladeninhabern hat sich über die Jahre eine tiefe Freundschaft entwickelt. Als Teenager habe ich eifrig im Online- Forum des größten italienischen Schneidwarenhändlers Coltelleria Collini gestöbert und ging vermehrt auf Messen. Es ließ nicht lange auf sich warten, bis ich erste eigene Designversuche auf Papier brachte, die sicherlich von der goldenen Ära der Branche gegen Ende der 1990er Jahre geprägt waren. 
 
Wann hast du dein erstes eigenes Messer entworfen?
 
2005 entwarf ich ein Einsatzmesser mit dem Ziel, dieses in Handarbeit herzustellen. Ich unterbreitete diesen Vorschlag meinen Freunden Rudy und Davide von der Coltelleria Collini, die mir dazu rieten, auf Unternehmen in der italienischen Messerhauptstadt Maniago zuzugehen. Den Zuschlag erhielt ich von Viper und das Ergebnis war das Viper Fearless. Mein erstes kommerzielles Design auf dem Markt und zugleich Vipers erstes taktisch geprägtes Militärmesser, das gleich mal auf der wichtigsten Waffenmesse Italiens ausgestellt wurde. Der Erfolg dieses Modells war derart überwältigend, dass mich Viper für weitere Projekte engagierte und sogar andere Marken an meinen Entwürfen Interesse bekundeten. 
 
Gibt es jemanden, den du als deinen Mentor bezeichnen würdest? 
 
Nicht wirklich. Meinen Erfolg habe ich mehreren Personen zu verdanken, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Hinzu kam etwas Glück, dass ich einige der begnadetsten Messermacher kennenlernen durfte, die mir völlig neue Sichtweisen über die Herstellung von Messern eröffnet haben. Besonders hervorzuheben sei an dieser Stelle Moreno Franzin, seines Zeichens ein leibhaftiges Genie, der auch für das Design des Mercury Logan verantwortlich war und mit mir zusammen das Viper Free entworfen hat. Darüber hinaus habe ich von den Unternehmen, mit denen ich in den letzten 20 Jahren zusammengearbeitet habe, viel gelernt. 
 
Worin siehst du dein größtes Talent als Messerdesigner?
 
Getreu dem Motto der legendären Filmfigur Gunny Highway: „Improvise, adapt, overcome!“ bin ich dazu in der Lage, zu improvisieren, mich anzupassen und mögliche Widerstände zu überwinden. Dies gelingt mir, indem ich Designs konzipiere, die sich grundlegend voneinander unterscheiden und auf die Anforderungen sowie Produktionsmöglichkeiten des jeweiligen Herstellers abgestimmt sind. Kombiniert mit einem klaren Stil und einer unverkennbaren Formensprache entsteht ein Messer voller Charakter. Jede Kontur in meinen Entwürfen ist penibel geplant und hat ihre Daseinsberechtigung. Eine weitere Stärke von mir ist mein ausgeprägter Sinn für Ergonomie. Wenn ich gefragt werde, warum jemand eines meiner Messer kaufen sollte, ist meine Antwort immer die gleiche: „Nehmen Sie es einfach mal in die Hand!“ 
 
Woher stammen die Ideen für deine Entwürfe? 
 
Prinzipiell stehen Ergonomie und Praxistauglichkeit bei meinen Designs an oberster Stelle. Erst dann kommt der ästhetische Feinschliff. Dabei erfordert jedes Projekt eine andere Herangehensweise und neue Ideen. Bei Messer „A“ arbeite ich das Konzept basierend auf den Herstellerwünschen aus, bei Messer „B“ wiederum nehme ich das Portfolio des Herstellers genau unter die Lupe, um eventuelle Lücken im Sortiment aufzustöbern oder ich trete gar mit eigenen, unabhängigen Entwürfen an die Hersteller heran. Bei Letzteren bin ich nicht auf deren Vorgaben angewiesen, sondern kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. Grundsätzlich zeichne ich meine Entwürfe von Hand und lasse mich von Formen aus Natur, Technik oder Kunst inspirieren. 
 
Was gefällt dir am meisten an deiner Arbeit?
 
Ich denke, es ist die Abwechslung. Jedes Projekt ist anders und ich muss mich immer wieder neu erfinden. Ich bin stets auf der Suche nach neuen Technologien und kann auf einen regen Austausch mit Fachleuten aus der Industrie bauen. Ich entdecke ständig neue Materialien, modernste Fertigungsverfahren, Messertypen oder Einsatzzwecke. Der ständige Wettlauf um Innovation macht Projekte heute realisierbar, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren. Darüber hinaus sind neue Herausforderungen meine Triebfeder, immer ein bisschen mehr zu geben. Denn es gibt heutzutage viele gute Designer sowie eine immer anspruchsvollere Kundschaft. Ein erfolgreiches Messer zu entwerfen ist alles andere als einfach aber all die Mühe wert! 
 
Wie sieht ein typischer Arbeitstag von dir aus? 
 
Bei mir ist kein Tag wie der andere und ich verfalle glücklicherweise nicht in einen typischen Arbeitstrott mit immer denselben Aufgaben. Im Gegenteil: An manchen Tage sitze ich am Zeichenbrett, an anderen arbeite ich an den Aufträgen der verschiedenen Hersteller, an wieder anderen Tagen führe ich Feldversuche durch oder nehme an Schulungen von Experten teil, mit denen ich an der Konzeption für neue Messer zusammenarbeite. All dies hält den Kopf frisch und gibt mir neue Impulse für meine Entwürfe. Darüber hinaus arbeite ich seit 2009 für mehrere Waffen- und Messermagazine als Tester und Kolumnist. Nicht zuletzt habe ich in jüngster Zeit an einigen Schulungsprogrammen für professionelle Retter, Militär- und Polizeibeamte mitgewirkt, bei denen es um den effektiven Einsatz von Messern, rechtliche Aspekte und den Umgang mit bewaffneten Angreifern ging. 
 
An welchen Projekten arbeitest du aktuell? 
 
Momentan arbeite ich an neuen Taschenmessern sowie feststehenden Messern. Für manche Konzepte habe ich bereits einen Hersteller gefunden, bei anderen bin ich noch auf der Suche. Aber das ist ein ganz normaler Prozess. Ende 2023 habe ich mir ein neues CAD-Programm (Computer Aided Design) zugelegt und fuchse mich immer tiefer in die Materie ein. Ich hoffe, dass 2024 endlich die Aktualisierung meiner Website durch ist. Denn nur wenige meiner 40 Produktlinien, die ich während meiner gesamten Laufbahn entworfen habe, sind dort abgebildet. Derzeit ist mein komplettes Portfolio nur auf meinem Instagram Profil zu sehen. 
 
Hast du manchmal die Nase voll von Messern? 
 
Definitiv nicht! Meine Arbeit rund um das Thema Messer ist derart erfüllend und abwechslungsreich, dass Langeweile erst gar nicht aufkommt. Als versierter Anwender ist ein Messer für mich nicht nur ein Designobjekt, sondern das Ergebnis ausgiebiger Forschung. Es gibt aber noch so viele Dinge, die ich genauer durchleuchten möchte oder Experimente, die ich gerne durchführen würde. Einige meiner innovativen Konzepte haben noch keinen Abnehmer gefunden oder liegen noch als Zeichnung in der Schublade. Einen lang gehegten Traum möchte ich mir dennoch irgendwann erfüllen: Messer nicht nur zu entwerfen, sondern auch herzustellen. Eine Werkstatt habe ich schon, aber bislang gingen nur Holzmodelle, Metallteile oder grobe Prototypen vom Band. 
 
Wie schaltest Du in Deiner Freizeit am besten ab? 
 
Auch wenn meine Freizeit knapp bemessen ist, schaffe ich mir bewusst den Raum für Familie, Hobbys und Sport. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine kreative Arbeit ein derartiges Gegengewicht braucht, damit die Lebensqualität auf einem hohen Niveau bleibt. Momentan halte ich mich mit Laufen, Klettern und Gymnastik fit. Immer wenn es die Zeit zulässt, wandere ich oder verreise mit meiner Freundin Annabella. Navarre, unser Deutscher Schäferhund, darf natürlich nicht fehlen. Ich lese viel und gerne, kann mich manchmal aber nicht zwischen Literatur oder technischen Handbüchern entscheiden. 
 
Vielen Dank für die interessanten Einblicke, die du uns in deine Arbeit gewährt hast.

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