Entdecken Sie unsere Einkaufswelten:       Outdoor & Collection        Professional        Knifestyle       Barber's Corner

Geschichte

 geschichte6

Die Anfänge

Ein gewaltiger Kastanienbaum, der im 17. Jahrhundert die kleine Handwerkzeug-Fabrik der Familie Böker in Remscheid überschattete, ist der Namensgeber des Böker Baumwerks. Die Familie Böker ließ das Wappen mit dem berühmten Baum erstmals im Jahr 1674 als Hausmarke eintragen, es zeigt einen grünen Baum auf silberfarbenen Grund am Ufer eines blauen Flusses. Die hochwertigen Böker-Werkzeuge waren überaus erfolgreich, und knapp 100 Jahre später gehörten sie zu den führenden Produkten in Deutschland und dem benachbarten Ausland.

Die steigende Nachfrage nach Blankwaffen während einer politisch eher instabilen Ära führte 1829 dazu, dass die Brüder Hermann und Robert Böker beschlossen, die Produktion von Säbeln aufzunehmen. Kontorbücher aus September 1830 sprechen bereits von einer wöchentlichen Produktion von 2000 Stück, hergestellt von 64 Schmieden, 47 Schleifern und einer großen Zahl ungelernter Arbeiter. Mit einer ständig wachsenden Vielfalt von Werkzeugen und Schneidwaren und den großen Chancen des weltweiten Verkaufs sah die Familie ein, dass sie die Aufgaben verteilen muss, um ihre Interessen optimal zu nutzen. So wanderte Hermann Böker aus und gründete H. Boker & Co. in New York. Der junge Robert Böker baute sein Unternehmen in Kanada auf und gründete 1865 die Niederlassung in Mexiko.

Ihr Cousin Heinrich Böker überquerte lediglich die Wupper und ging nach Solingen, wo sich die deutsche Schneidwarenindustrie zu dieser Zeit mit enormer Geschwindigkeit entwickelte. Gemeinsam mit Hermann Heuser, einem sehr bekannten Schneidwarenfachmann, gründete er 1869 Heinr. Böker & Co.

geschichte1

Die Expansion

Die Bökers in Remscheid und ihre Vettern in Übersee zeigten großes Interesse an den hochwertigen Rasiermessern, Scheren und Taschenmessern aus Heinrichs neuem Unternehmen. Sie mussten ihre Produkte für die Überseemärkte auf einfache Weise kennzeichnen, denn viele Kunden hatten Probleme mit dem deutschen Namen Böker, ganz abgesehen von dem weitverbreiteten Analphabetismus. Heinrich Böker wählte als einprägsames Markenzeichen den gewaltigen, damals bereits 200 Jahre alten Kastanienbaum, der auch schon von der Handwerkzeug-Fabrik als Wappen genutzt wurde. Ein weiteres Markenzeichen der Remscheider Firma war ein Pfeil. Eines der wenigen wertvollen Dokumente, das die totale Zerstörung im Zweiten Weltkrieg überlebte, ist eine Werbeanzeige von Böker Remscheid aus dem Jahre 1874. Darauf sind beide Warenzeichen nebeneinander abgebildet.

Zwischen den beiden Firmen bestand immer eine außerordentlich freundschaftliche Beziehung, und so konnte Heinrich das Baumzeichen problemlos mit über den Fluss nach Solingen nehmen. Seit der Gründung hat bis heute kein Messer die Böker Manufaktur ohne dieses Qualitätssiegel verlassen. Der alte Kastanienbaum wurde 1925 von einem Blitzschlag getroffen und dabei zerstört. Als Erinnerung an die große Kastanie, die zum Symbol für hochwertige Taschenmesser aus Solingen geworden ist, schnitzte ein Künstler das Böker Logo aus dem Holz des ursprünglichen Baumes. Dieses Kunstwerk schmückt noch heute den Eingangsbereich der Böker Messer-Manufaktur.

Bereits 1900 nahm der US-amerikanische Markt den größten Teil der Böker-Produktion ab, in New York konzentrierte sich H. Boker & Co. fast ausschließlich auf den Vertrieb der hochwertigen Schneidwaren aus Solingen. Die Taschenmesser überflügelten schon bald in ihrer Bedeutung die Scheren, Rasiermesser und Bestecke. Die Nachfrage wuchs sogar schneller als die Solinger Liefermöglichkeiten, sodass die Amerikaner damit begannen, ebenfalls Taschenmesser zu produzieren.

geschichte2

Der Zweite Weltkrieg

Da das Baumzeichen in den USA bereits überaus bekannt war und die gesamte Familie Böker ein hervorragendes Verhältnis zueinander hatte, war es nicht schwer, die Einwilligung der Solinger Verwandten zu erhalten, das Baumzeichen ebenfalls für die amerikanischen Produkte zu nutzen. Seit dieser Zeit gab es zwei unterschiedliche Linien von Böker-Messern auf dem amerikanischen Markt die das gleiche Markenzeichen und manchmal sogar die gleichen Artikelnummern trugen. Ob das jeweilige Messer in den USA und in Solingen gefertigt wurde, ließ sich nur anhand des Gangzeichens erkennen: Zum einen Boker USA und zum anderen H. Boker Improved Cutlery Solingen.

Während des Zweiten Weltkrieges kam der Kontakt zwischen den beiden Familienteilen vollkommen zum Erliegen, Handel zwischen den Kriegsparteien war völlig undenkbar. Zudem brannte das Solinger Werk komplett aus, weder Maschinen und Werkzeuge noch Katalogmaterial oder Muster konnten gerettet werden. Die wenigen Originale aus der Vergangenheit, die heute noch zur Verfügung stehen, haben den Krieg in Privathäusern überdauert und wurden Böker später dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Die Firma verlor zudem eines ihrer wertvollsten Güter: Die Eintragung des Baumzeichens für den amerikanischen Markt wurde nach amerikanischem Recht beschlagnahmt. John Boker Jr. erwarb es in New York, um es für den Vertrieb der amerikanischen und deutschen Produkte zu sichern. Doch schon bald nach dem Krieg kam neues Leben in die zerstörte Fabrik. Wer von den treuen Facharbeitern überlebt hatte, kam zurück und half dabei das Gebäude und die Produktion wieder aufzubauen und langsam zum hohen Qualitätsstandard aus Vorkriegszeiten zurückzufinden. Die amerikanischen Vettern erneuerten ihre Geschäftskontakte mit Solingen, erteilten erste Aufträge und wurden innerhalb von wenigen Jahren wieder zum Hauptabnehmer der Solinger Produktion.

geschichte3

Die Tochterunternehmen

Anfang der 1960er Jahre wurde Boker USA verkauft und nach mehrfachem Wechseln von dem bekannten Scherenhersteller Wiss & Sons übernommen. Wiss hielt die Herstellung von Böker Messern aufrecht und verkaufte sie gemeinsam mit den in Solingen gefertigten Produkten. Allerdings verschwanden damit die Böker Scheren als Konkurrenz zum Sortiment von Wiss vom amerikanischen Markt. Anfang der 1970er Jahre verkaufte Wiss & Sons Boker USA erneut, neuer Eigentümer wurde der multinationale Konzern Cooper Industries. Für das Baumwerk war der Wechsel in eines der ältesten noch bestehenden Großunternehmen der USA überaus erfolgreich. Es entstand eine sehr enge geschäftliche und persönliche Beziehung zu diesem Industriegiganten und Cooper verhalf dem Namen Böker mit seiner Marktkraft zu seiner ursprünglichen Größe zurück.

Dank der sehr regen Geschäftstätigkeit mit Cooper Industries war man in Solingen einige Jahre später in der Lage die Produktion zu rationalisieren und neue moderne Produkte zu entwickeln. 1983 gab Cooper die eigene Produktion von Messern auf und beschäftigte sich nur noch mit dem Vertrieb der in Solingen gefertigten Artikel. Drei Jahre später übertrug Cooper als Ergebnis von freundschaftlichen Verhandlungen das amerikanische Warenzeichenrecht zurück an Böker Solingen, und so konnte man erneut selbstverantwortlich auf dem riesigen Markt tätig werden. So entstand im Juli 1986 Boker USA, Inc. in Denver, Colorado. Die Böker Tochtergesellschaft operiert seit Ihrer Gründung sehr erfolgreich auf dem nordamerikanischen Markt.

1983 wurde außerdem die Tochtergesellschaft Böker Arbolito S. A. in Buenos Aires gegründet. Dort werden in erster Linie Haushalts- und Berufsmesser hergestellt, sowie qualitativ anspruchsvolle Jagd- und Outdoormesser im traditionellen Design. Der große Bekanntheitsgrad der Böker Arbolito Produkte in den südamerikanischen Märkten, vor allem in Argentinien und Chile, geht zurück auf die Pionierarbeit der Böker Familie im 19. und 20. Jahrhundert. Aufgrund der hohen Bedeutung der nord- und südamerikanischen Märkte für die Böker Manufaktur Solingen zeigt das Firmenlogo seit 1947 neben dem Böker Schriftzug auch die Namen Treebrand und Arbolito.

geschichte4